Warum Grundlagenforschung wichtig ist – Ein philosophisches Argument

Wir werden oft gefragt, wie unsere wissenschaftliche Grundlagenforschung angewendet werden kann. Meistens wissen wir es nicht. Niemand weiß es. Vielleicht werden wir das eines Tages tun, vielleicht auch nicht. Das ist nicht wichtig. Warum nicht?
Stell dir vor, du wachst jetzt plötzlich auf. Nackt. An einem felsigen, sandigen Ort mitten im Nirgendwo.
Es ist wirklich heiß und du fängst sofort an zu schwitzen. Du hast keine Ahnung wo du bist oder wie du dorthin gekommen bist. Was machst du jetzt? Zuerst wirst du dich auf das Überleben konzentrieren. Du wirst nach Wasser, Nahrung und Unterkunft suchen. Nach einigen Stunden Spaziergang findest du eine Oase, reich an Wasser und Früchten. Du könntest nun auf unbestimmte Zeit an deinem jetzigen Standort bleiben. Du könntest aber langsam auch anfangen, dich ernsthaft zu fragen, was zur Hölle eigentlich passiert ist: in der einen Minute surfst du gemütlich im Internet herum, in der nächsten bist du nackt in der Mitte des Nirgendwo. Nachdem du dich dann irgendwann mit der Realität der Situation arrangiert hast, möchtest du herausfinden, wo du bist. Du könntest versuchen, nach Hinweisen aus deiner Umgebung zu suchen, die du kennst, oder vielleicht einer Konstellation am Sternenhimmel. Du beschließt, ein wenig in der näheren Umgebung herumzuschauen, um zu sehen, ob es etwas gibt, das dir weiterhilft. Nach einiger Zeit zeigen deine Bemühungen, dass du mitten in einer afrikanischen Wüste bist. Du hast jetzt zwei Möglichkeiten: Entweder du bleibst dort und lebst einfach so lange vor dich hin wie du kannst. Oder du versuchst in die Zivilisation zurückzukehren; jede Option hat ihre eigenen Risiken.
Wenn du dich entscheidest zu bleiben, dann ist das Leben für dich gesetzt.
Du weißt jetzt, wie sich deine Zukunft entwickeln wird: Du bleibst an deinem jetzigen Standort, bis du entweder an Altersschwäche stirbst oder dir irgendwann doch die Ressourcen ausgehen. Du wartest nur noch darauf, dass deine Lebensuhr ausläuft und mit ihr deine Existenz. Dein gesamtes Dasein dreht sich nur noch ums Überleben. Vielleicht beschließt du, eine Nachricht zu hinterlassen, die jemand in der Zukunft finden kann. Vielleicht begnügst du dich auch damit, einfach in Vergessenheit zu geraten. So oder so, dein Schicksal ist besiegelt.
Aber natürlich bleibst du nicht.
Du versuchst in die Zivilisation zurückzukehren. Daran besteht kein Zweifel. Dazu musst du herausfinden, wohin du gehen solltest wie du dorthin kommst. Nach einigen Überlegungen fängst du einfach an zu laufen. In diesem Moment hört das Leben auf, sich ums bloße Überleben zu drehen. Es wird zu einer Reise, dich dorthin zu bringen, wo du hin willst. Jetzt hast du etwas, nach dem du strebst. Du hast ein Ziel. Du hast eine Vision und du hast die Hoffnung, sie zu verwirklichen.
Dies ist die Geschichte der Menschheit.
Wir sind irgendwann erwacht, auf einem kleinen Felsen namens Erde, mitten im Nirgendwo. Wir haben herausgefunden, wie wir überleben und wie wir wachsen. Wir begannen zu forschen, wir begannen zu lernen. Wir begannen herauszufinden, wo genau wir waren, in den Weiten des Universums. Wir begannen herauszufinden, wer wir sind und was uns menschlich macht. Wir haben viel von all dem herausgefunden, was unsere Welt ausmacht. Wir sammeln weiter Informationen und erlangen Erkenntnisse. Nicht alles, was wir entdecken, scheint von Anfang an nützlich. Vielleicht finden wir ja eines Tages eine Verwendung, vielleicht auch nicht. Für mich ist das nicht wichtig. Das Wichtigste ist, dass wir als Menschheit ein Leben wählen, das über das bloße Überleben hinausgeht. Dass wir uns dafür entscheiden, voranzukommen, zu lernen und zu forschen. Dass wir, obwohl wir vielleicht nie verstehen, wie unser Gehirn Erinnerungen speichert, oder wir vielleicht nie den Mars besiedeln werden, es zumindest ernsthaft versuchen. Dass wir Hoffnung haben, dass wir Träume haben.
Die Alternative ist, einfach unsere Lebensuhr auslaufen zu lassen und zu warten, bis wir in Vergessenheit geraten.