Schizophrenie bedeutet gespaltene Persönlichkeit

Schizophrenie ist heutzutage den meisten ein Begriff. Leider wird diese Erkrankung immer noch völlig falsch dargestellt wird. Laien auf dem Gebiet der psychischen Erkrankungen wissen meist gar nicht, was Schizophrenie tatsächlich bedeutet und welche Symptome diese mit sich bringt. Immer noch wird die Krankheit mit einer gespaltenen Persönlichkeit in einen Topf geworfen. Dies ist jedoch falsch. Es handelt sich um zwei völlig unterschiedliche Krankheitsbilder, die sich ähneln mögen, bei genauem Hinsehen jedoch klar voneinander zu unterscheiden sind.

Schizophrenie gehört zu den Psychosen

Die Schizophrenie ist ein Sammelbegriff für mehrere sich ähnelde Krankheitsbilder in der Gruppe der Psychosen. Sie kann in Form von Wahrnehmungsstörungen, Realitätsverlusten und erheblichen Störungen des Denkens und Fühlens auftreten. Häufig werden nicht vorhandene Stimmen gehört. Betroffene entwickeln derartige Symptome von innen heraus. Für Außenstehende gibt es oftmals keine erkennbaren Gründe oder Ursachen. Die Schizophrenie hat jedoch in keiner Weise mit gespaltenen Persönlichkeiten zu tun. Es kommt “nur” zu Fehlinterpretationen und fehlgesteuerten Wahrnehmungen der Umwelt und äußeren Eindrücken. Auch sind Betroffene nicht weniger intelligent oder benachteiligt.

Dissoziative Identitätsstörung wird durch schweres Trauma in Kindheit verursacht

Die dissoziative Identitätsstörung hingegen ist eine psychische Störung, die auf ein schweres Trauma in der Kindheit zurückzuführen ist. Aufgrund des Traumas lassen sich Gedächtnisinhalte nicht zu einer einzigen Persönlichkeit formen. Sie spalten sich in mehrere Persönlichkeiten ab. Dies ist ein Schutzmechanismus; das Erlebte soll verdrängt werden. Die hierbei entstehenden Teilpersönlichkeiten besitzen teilweise ganz eigenständige Charaktere. Sowohl die Charaktereigenschaften, Verhaltensweisen und sogar die Erinnerungen der Teilpersönlichkeiten sind voneinander getrennt. Es ist stets nur eine Persönlichkeit zugegen. Betroffene hören die anderen Persönlichkeiten nicht als Stimme im Kopf. Je nach Situation und Gefühlslage tritt somit eine Persönlichkeit in den Vordergrund. Der Wechsel in eine andere Persönlichkeit kann stark variieren. Feste Zeiten oder Phasen gibt es in der Regel nicht. Auch ist es Erkrankten nicht möglich, die Kontrolle über die abgespaltenen Persönlichkeiten zu übernehmen. So kommt es häufig zu Gedächtnislücken und gravierenden Probleme da die Teilpersönlichkeiten unabhängig voneinander agieren. Die verbleibenden Persönlichkeiten werden hierüber nicht in Kenntnis gesetzt, sodass der Betroffene sich an den Großteil des Gesagten oder Erlebten wohl nie erinnern können wird.

Krankeitsbilder, die gerne vermischt werden

Insgesamt wird die Schizophrenie umgangssprachlich oft mit einer Multiplen Persönlichkeitsstörung gleichgestellt. Dies ist jedoch schlicht falsch und wohl darauf zurückzuführen, dass immer mehr Filmemacher das Konzept von Schizophrenie = Persönlichkeitsstörung fälschlicherweise etabliert haben. So behandelt besonders Hollywood die Multiplen Persönlichkeitsstörung gerne in Verfilmungen, z.B. in Glass, Split oder dem Klassiker Psycho. Hierbei wird oft ein völlig verzerrtes Bild der Krankheit geschaffen.

Dr. Marian Sauter

Nach einem Studium der Kognitionswissenschaften in Osnabrück und der Neuro-Kognitiven Psychologie in München, schloss Marian einen Doktor in Experimenteller Psychologie ab. Derzeit arbeitet er an als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität der Bundeswehr München in der Allgemeinen Psychologie.

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