Zuckerrausch: Macht Zucker Kinder hyperaktiv?

Zucker macht Kinder hyperaktiv

»Zucker macht Kinder hyperaktiv«. Das ist ein so weit verbreiteter Mythos, die meisten werden überrascht sein, dass es gar kein Fakt ist. Diese Erkenntnis steht scheinbar sogar in Konflikt mit den Erfahrungen, die viele Menschen mit ihren eigenen Kindern gemacht haben. Schließlich kennt den Zuckerrausch »doch jeder«. Kinder seien nach dem Verzehr von zuckerhaltigen Snacks oder Leckereien viel aktiver, widerspenstiger und energetischer. Viele Eltern verbieten deswegen Zucker oder schränken den Zuckerkonsum ihrer Kinder deutlich ein. Es wird sogar behauptet, Zucker führe zu Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörungen (ADHS).

Woher der Mythos vom Zuckerrausch kommt

Durch Zucker hat man kurzzeitig mehr Energie und fühlt sich damit tatsächlich etwas wacher. Dieser Effekt dauert allerdings nur wenige Minuten an. Danach schlägt er schnell ins Gegenteil um: Man wird eher wieder müder als vorher. Von bemerkbarer Hyperaktivität kann also kaum die Rede sein. Möglicherweise entwickelte sich der Mythos auch aus der Anti-Zucker-Bewegung: Eltern suchten einen Grund für das Zuckerverbot, der für die Kinder verständlicher ist, als zu sagen: Davon wirst du nur dick. Gleichzeitig scheint es eine Art selbsterfüllende Prophezeiung zu sein; sobald Eltern über den Zuckerrausch-Mythos lesen, achten sie verstärkt auf das Verhalten ihrer Kinder und denken eher, das Kind zeige hyperaktive Tendenzen – obwohl sich das Kind altersüblich verhält. Außerdem bekommen Kinder, deren Zuckerkonsum stark eingeschränkt ist, die zuckerhaltigen Lebensmittel (Cola, Kuchen, Kekse etc.) meist zu besonderen Anlässen, zum Beispiel zu Geburtstagen. An diesen Tagen ist das Kind ohnehin aufgeregter und aktiver als normalerweise – die Eltern bringen diese Aktivität dann fälschlicherweise mit dem Zucker in Verbindung und nicht mit dem aufregenden Ereignis.

Zucker führt zu Problemen

Ich will den Zucker jetzt allerdings nicht verharmlosen. Probleme mit Übergewicht und damit einhergehende Krankheiten wie Diabetis sind fast ausschließlich zu hohem Zuckerkonsum zuzuschreiben. Auch führt Zucker zu Stimmungsschwankungen, Antriebslosigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten. Es ist also sinnvoll, den Zuckerkonsum der Kinder – und selbstverstädnlich auch den eigenen – einzuschränken. Aber nicht, weil Zucker zu Hyperaktivität führt. Das ist und bleibt ein Mythos.

Dr. Marian Sauter

Nach einem Studium der Kognitionswissenschaften in Osnabrück und der Neuro-Kognitiven Psychologie in München, schloss Marian einen Doktor in Experimenteller Psychologie ab. Derzeit arbeitet er an als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität der Bundeswehr München in der Allgemeinen Psychologie.

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